Institutionen verändern sich, die offizielle Sprache wird ersetzt und politische Grenzen können neu gezogen werden. Ängste, Verhaltensmuster, Einflussnetzwerke und Einstellungen zur Macht wirken jedoch häufig wesentlich länger fort.
Deshalb untersuche ich den Kommunismus nicht nur als historische Epoche, sondern auch als eine Erfahrung, deren Folgen die Gegenwart weiterhin prägen.
Macht, Gesellschaft und Kontrolle
Einer der Schwerpunkte meiner Arbeit ist die Erforschung der Funktionsweise des sowjetischen Staates.
Mich interessiert, wie die politische Macht in das Leben der Menschen eingriff, Institutionen umgestaltete, Informationen kontrollierte und Angst zu einem Herrschaftsinstrument machte.
Archivdokumente zeigen nicht nur, welche Entscheidungen der Staat traf, sondern auch, wie die Menschen darauf reagierten: durch Anpassung, Schweigen, Kompromiss, Widerstand oder durch den bloßen Versuch zu überleben.
Die Intelligenzija unter sowjetischer Herrschaft
Ein eigenständiges Forschungsfeld meiner Arbeit ist die Politik des sowjetischen Staates gegenüber der Intelligenzija.
Angehörige der intellektuellen und kulturellen Eliten wurden überwacht, ideologisch kontrolliert, marginalisiert oder zu Instrumenten der offiziellen Legitimation des Regimes gemacht. Einige arbeiteten mit den Behörden zusammen, andere versuchten, Freiräume geistiger Autonomie zu bewahren, während wieder andere einen hohen Preis für ihre Weigerung zahlten, sich anzupassen.
Mich interessiert besonders dieses Spannungsfeld zwischen Kreativität und Gehorsam, Wahrheit und Zensur, intellektueller Verantwortung und staatlichem Druck.
Die Hungersnot von 1946–1947
Die Hungersnot von 1946–1947 gehört zu den zentralen Themen meiner Forschung.
Ich untersuche sie nicht nur als demografische Katastrophe, sondern auch als Folge politischer, wirtschaftlicher und administrativer Entscheidungen, durch die Nahrungsmittelknappheit zu einer umfassenden sozialen Tragödie wurde.
Hinter den Statistiken stehen auseinandergerissene Familien, verwaiste Kinder, geschwächte Gemeinschaften und verzweifelte Überlebensstrategien.
Mich interessiert zudem, wie diese Tragödie verschwiegen, verharmlost oder aus dem öffentlichen Gedächtnis verdrängt wurde.
Deportationen und politische Repression
Die sowjetischen Deportationen und politischen Repressionen zeigen, wie ein Staat gewöhnliche Menschen durch eine einzige administrative Zuschreibung zu „Feinden“ erklären konnte.
Ich untersuche die Mechanismen der Auswahl der Opfer, die Sprache, mit der die Repression gerechtfertigt wurde, und die Folgen dieser Politik für Familien und Gemeinschaften.
Ein Archivdokument kann nur wenige Zeilen umfassen, doch hinter diesen Zeilen kann ein vollständig zerstörtes menschliches Schicksal stehen.
Der Krieg der Russischen Föderation gegen die Republik Moldau im Jahr 1992
Der Krieg der Russischen Föderation gegen die Republik Moldau im Jahr 1992 nimmt in meiner Forschung einen wichtigen Platz ein.
Ich untersuche die Ursachen des Konflikts, die politische und militärische Beteiligung der Russischen Föderation, die Erfahrungen von Kombattanten und Zivilbevölkerung, die territorialen und politischen Folgen sowie die Art und Weise, wie die Erinnerung an den Krieg seit 1992 geformt wurde.
Dieser Krieg gehört nicht ausschließlich der Vergangenheit an. Seine Folgen beeinflussen weiterhin die Sicherheit der Republik Moldau, ihre Innenpolitik und die Beziehungen zwischen Chișinău, Tiraspol und Moskau.
Propaganda, Erinnerung und Einfluss
Propaganda wirkt nicht nur durch direkte Lügen. Sie wählt passende Tatsachen aus, nutzt Ängste und bietet einfache Erklärungen für komplexe Probleme.
Ich untersuche, wie die sowjetische Propaganda Feindbilder konstruierte und die öffentliche Wahrnehmung kontrollierte, ebenso wie die Fortsetzung dieser Methoden im postsowjetischen Raum.
Besondere Aufmerksamkeit widme ich der Frage, wie die Russische Föderation die Erinnerung an den Kommunismus, Identität, Religion, Nostalgie und die Angst vor Krieg nutzt, um die öffentliche Meinung und politische Entscheidungen zu beeinflussen.
Osteuropa nach dem Kommunismus
Ein bedeutender Teil meiner Forschung befasst sich mit dem Zusammenhang zwischen der kommunistischen Vergangenheit und gegenwärtigen politischen Krisen.
Ich versuche zu verstehen:
- warum europäische Integration nicht automatisch Vertrauen schafft;
- warum Gesellschaften, die eine Diktatur erlebt haben, erneut für autoritäre Führungspersönlichkeiten empfänglich werden können;
- wie die Erinnerung an verlorene Souveränität gegen demokratische Institutionen eingesetzt werden kann;
- warum Nostalgie, Angst und das Bedürfnis nach Würde zu politischen Ressourcen werden;
- warum der Einfluss der Russischen Föderation in einigen postkommunistischen Gesellschaften fortbesteht.
Der Krieg der Russischen Föderation gegen die Ukraine
Der Krieg gegen die Ukraine hat Realitäten nach Europa zurückgebracht, von denen viele glaubten, sie gehörten der Vergangenheit an: Besatzung, Deportation, Zerstörung, Propaganda und die Leugnung des Existenzrechts eines Staates.
Ich untersuche die Folgen des Krieges für die Sicherheit Osteuropas, der Republik Moldau und Rumäniens sowie für die Beziehungen zwischen Menschen und Gemeinschaften.
Besonders interessiert mich, wie der Krieg die Beziehungen zwischen Russen und Ukrainern, die gemeinsame Erinnerung, Identitäten und die Wahrnehmung Russlands verändert.
Forschungsquellen
Meine Forschung stützt sich in erster Linie auf Archivdokumente, aber auch auf Zeitzeugenberichte, Interviews, Pressequellen, amtliche Dokumente, statistische Daten, Meinungsumfragen und wissenschaftliche Literatur.
Das Dokument bleibt mein Ausgangspunkt. Es ermöglicht, Aussagen zu überprüfen, die Mechanismen der Macht zu rekonstruieren und die Stimmen jener Menschen wieder hörbar zu machen, die autoritäre Regime zum Schweigen bringen wollten.
Historische Forschung bedeutet für mich nicht nur, Fakten festzustellen. Sie bedeutet auch zu verstehen, wie die Vergangenheit weiterhin die Entscheidungen, Ängste und Konflikte der Gegenwart prägt.

